Stadthistorie Hannover
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Kloster Marienwerder vorheriger Ort nächster Ort

Das Kloster Marienwerder im Nordwesten Hannovers nimmt eine herausragende Stellung in der regionalen Historie ein, da seine Klosterkirche als der älteste erhaltene Sakralbau im gesamten heutigen Stadtgebiet gilt. Die Gründung erfolgte im Jahr 1196 durch Graf Konrad I. von Roden. Ursprünglich als Augustiner-Chorherrenstift konzipiert, wurde die Anlage bereits kurz darauf, um 1200, in ein Nonnenkloster umgewandelt. Das architektonische Herzstück, die romanische Basilika, stammt im Kern noch aus dieser frühen Gründungsphase des 12. Jahrhunderts und überdauerte alle späteren historischen Umbrüche. Eine entscheidende Zäsur brachte die Reformation, die das Klosterleben grundlegend veränderte. Nach einer Phase des Übergangs wandelte sich Marienwerder im Jahr 1620 endgültig in ein evangelisches Damenstift um – eine Funktion zur Versorgung alleinstehender Frauen, die die Stiftung bis heute erfüllt. Während die Kirche die Jahrhunderte überstand, fielen die mittelalterlichen Wohngebäude im Jahr 1687 einem verheerenden Brand zum Opfer. Der daraufhin erfolgte Wiederaufbau im späten 17. Jahrhundert prägt das heutige, idyllische Erscheinungsbild der Anlage. Obwohl Marienwerder jahrhundertelang eine eigenständige geistliche Enklave vor den Toren der Stadt bildete, war die Verbindung zu Hannover stets eng. Politisch vollzogen wurde dieser Zusammenschluss jedoch erst spät: Im Zuge der Gebietsreform wurde das Kloster mit dem gleichnamigen Stadtteil im Jahr 1974 nach Hannover eingemeindet. Zusammen mit dem benachbarten Hinüberschen Garten bildet es heute ein bedeutendes historisches und kulturelles Ensemble am Stadtrand.


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